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Auto in Parkaus geht in Flammen auf

DRK Überlingen beim Brandeinsatz in der Christophstraße

Foto: DRK Überlingen

  • Großeinsatz für die Freiwillige Feuerwehr Überlingen
  • Brand an Christophstraße fordert keine Verletzten

So überschrieb die Lokalredaktion des Südkuriers auf Seite 19 in der Samstagsausgabe vom 18. Februar 2012 einen Brandeinsatz im Parkhaus West vom Vortag. Im Artikel wird in einem Satz - fast schon nebenbei - erwähnt, dass das Rote Kreuz auch im Einsatz war. Weder dem Leser noch dem Augenzeugen vor Ort erschließt sich verständlicherweise der Zusammenhang zwischen brennenden Autos im Parkhaus und dem massiven Aufgebot von medizinisch geschulten Helfern.
Und so soll auch am Beispiel dieses Einsatzes, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, wieder einmal darüber aufgeklärt werden, warum es geradezu geboten ist, frühzeitig neben dem regulären Rettungsdienst die Schnelleinsatzgruppe des Überlinger Roten Kreuzes zu alarmieren.

Grund 1

Man versetze sich in die Lage hinein und überlege: Ein Auto beginnt auf einem Parkdeck aus ungeklärter Ursache zu brennen. Die Brandschutztüren schließen vorschriftsmäßig – und keiner der zufällig anwesenden Zeugen, sowie der eintreffenden Rettungskräfte kann mit Sicherheit ausschließen, dass alle Personen das Parkdeck verlassen konnten. Wer als Passant in der Nähe des Einsatzortes war, erinnert sich an den beißenden, unangenehmen Qualm der aus dem Parkhaus quoll und wer einen Blick ins Innere des Parkhauses riskieren konnte, weiß, dass die Sichtbedingungen äußerst schlecht gewesen sind. Da liegt die Entscheidung der Einsatzleitung (übrigens bestehend aus Feuerwehr und Rotem Kreuz) nahe, zunächst von einer unbekannten Zahl von gefährdeten Personen auszugehen. Würde sich diese Überlegung bestätigen, wäre der reguläre Rettungsdienst mit einer Rettungswagenbesatzung und einem Notarzt schnell überfordert, mehrere Verletzte nach den modernen Leitlinien der Notfallmedizin zu behandeln. Wenn die Einsatzleitung jetzt erst einmal abwarten würde, bis die ersten Atemschutzträger die ersten bewusstlosen Personen aus dem Parkhaus retten würden und sich so die Zahl der lebensbedrohlich Verletzten nach und nach konkretisieren würde, dann ahnt auch der medizinische Laie, dass keinem dieser Patienten die gebotene medizinische Hilfe zuteilwerden könnte. Wohlgemerkt, das läge nicht an den theoretischen und praktischen Fähigkeiten der Rettungsdienstler, sondern schlicht an der zu diesem Zeitpunkt fehlenden Zahl an medizinischem Personal und Gerät.
Der Wohnungsbrand in der Franziskanerstraße im Juni 2011 hat gezeigt, wie schnell eine Vielzahl von Verletzten betreut werden müssen. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass es oft darum geht, bleibende gesundheitliche Folgeschäden durch die richtigen medizinischen Erstmaßnahmen zu verhindern. Das bedeutet, je besser die Versorgung in den ersten Minuten ist, desto höher ist die Chance einer vollständigen Gesundung. Daher sind Erste-Hilfe-Maßnahmen durch Laienhelfer besonders wichtig.
Aus diesem Grund wird insbesondere bei unklaren Gefahrenlagen wie beispielsweise der Autobrand im Parkhaus automatisch von der Feuerwehrleitstelle in Friedrichshafen die Schnelleinsatzgruppe Überlingen alarmiert. Im Regelfall stehen dann innerhalb 10-15 Minuten bis zu 20 Helfer und ausreichend medizinisches Material (z.B. Sauerstoffgeräte) zur Verfügung.

Grund 2

Die Atemschutzträger der Feuerwehr arbeiten unter Extrembedingungen. Nicht nur, dass sie ihre schwere Schutzausrüstung zum Ort des Geschehens, dem Brandherd, tragen müssen, auch die Löschgeräte müssen dorthin verbracht werden. Das geht bei Sichtweiten unter einem halben Meter mitunter nur langsam und mühsam vor sich. Die schweißtreibende Arbeit und die trockene Luft der Pressluftflaschen führen zu einem Flüssigkeitsmangel, der unmittelbar nach getaner Arbeit durch Trinken rückgängig gemacht werden muss. Wer nicht einigermaßen fit ist, der ist schnell an der Grenze seiner körperlichen Belastungsfähigkeit.
Für diese Fälle bleibt die Schnelleinsatzgruppe vor Ort, bis sichergestellt ist, dass kein Atemschutzträger mehr im Einsatz ist bzw. kein Gefahrenrisiko von der Einsatzstelle mehr ausgeht.
Zurück zum aktuellen Einsatz: Zwischenzeitlich ist der reguläre Rettungsdienst abgerückt. Er steht somit für weitere Notfalleinsätze im Raum Überlingen zur Verfügung. Der verantwortliche Rettungsassistent hat schon frühzeitig seine Einsatzleitung an den Leiter der Schnelleinsatzgruppe abgegeben, damit von der sanitätsdienstlichen Seite des Einsatzes keine Planungs- und Informationslücke entsteht. Die Schnelleinsatzgruppe bleibt mit einem Rettungswagen, einschließlich der vom Rettungsdienstgesetz vorgesehenen Besatzung, nämlich mindestens einem Rettungsassistenten, am Einsatzort. Sollte jetzt noch etwas Unvorhergesehenes passieren, ist die medizinische Soforthilfe gewährleistet.
Auch der ELW, der Einsatzleitwagen der Schnelleinsatzgruppe, bleibt bis zum Einsatzende vor Ort. Über den ELW werden alle den Einsatz betreffenden Informationen gesammelt und der Kontakt zur Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Friedrichshafen wird ausschließlich von hier aus gehalten.

Grund 3

Da viele Personen nicht an ihr Auto im Parkhaus kamen, wurden einige, die zeitlich darauf angewiesen waren, mit dem Mannschaftstransportwagen der Überlinger Schnelleinsatzgruppe zu ihrem Ziel gebracht.

Zusammenfassung:

Die Überlinger Schnelleinsatzgruppe des Roten Kreuzes war mit 5 Fahrzeugen und 19 Helfern vor Ort. Sie haben sich – wie so oft bei Einsätzen – am Rand des Geschehens organisiert und aufgebaut und werden deshalb häufig nicht wahrgenommen. Die Berichterstattung der Medien beschränkt sich daher einmal mehr auf die Feuerwehr, die zweifelsfrei gute Arbeit geleistet hat.
Eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass die Helfer des Roten Kreuzes mit großem zeitlichen Aufwand Fortbildungen besuchen, an Übungen teilnehmen, Einsätze absolvieren und für ihre geleisteten Einsatzstunden – im Gegensatz zum Feuerwehrmann – keine finanzielle Entschädigung erhalten.

(18.02.2012, Steffen Sterkel)

18. Februar 2012 17:26 Uhr. Alter: 91 Tage